Wohnungsnotfallhilfe für Frauen
Raum für Schutz, Vertrauen und Perspektiven
Wohnungslose Frauen stehen vor besonderen Herausforderungen. Viele von ihnen leben nicht freiwillig auf der Straße, sondern sind durch Krisen, Gewalt oder Armut in diese Situation geraten. Sie brauchen Schutz, Vertrauen und Orte, an denen sie sich sicher fühlen können.
Als einziger Träger in Stuttgart bieten wir mit unserem Tagestreff Femmetastisch ein Angebot, das sich ausschließlich an wohnungslose Frauen richtet. Wir schaffen einen Raum, in dem sie gesehen, ernst genommen und auf ihrem Weg begleitet werden – auf Augenhöhe und mit Respekt.
Bei Fragen und in schwierigen Lebenslagen erhalten Frauen bei uns verlässliche Unterstützung und persönliche Beratung. Unsere Mitarbeiterinnen begleiten individuell und vermitteln bei Bedarf an passende Fachberatungsstellen weiter.
Tagestreff Femmetastisch
Femmetastisch ist ein Ort, an dem Frauen zur Ruhe kommen, andere Frauen treffen, sich austauschen, reden, feiern und gemeinsam spielen können. So entstehen und wachsen zwischenmenschliche Beziehungen. Im Tagestreff haben die Besucherinnen außerdem die Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen und ein günstiges Mittagessen sowie ein kostenloses Nachmittagsvesper zu erhalten.
Betreutes Wohnen
Auf der rechtlichen Grundlage des § 67 SGB XII (Hilfe in besonderen Lebenslagen) bieten wir für Frauen die Möglichkeit des Betreuten Wohnens im Individual-Wohnraum und trägereigenen Wohnraum. Das Angebot beruht auf Freiwilligkeit. Die Dauer des Betreuten Wohnens beläuft sich, je nach Bedarf.
MediA
Medizinische Assistenz (MediA) ist ein Stuttgarter Angebot zur gesundheitlichen Versorgung für Frauen in schwierigen Lebenssituationen und in Wohnungsnot.
Frauen in Wohnungsnot leiden häufiger an gesundheitlichen Beschwerden und haben eine niedrigere Lebenserwartung als der Bevölkerungsdurchschnitt. Trotz diesem hohen Behandlungsbedarf gehen nur wenige Betroffene zu einer niedergelassenen Ärztin/Arzt. An diesem Punkt setzt MediA – Gesundheitliche Versorgung für Menschen in Wohnungsnot an.
Unsere Tagestreff Femmetastisch in Zahlen (2025)
7.140
Besucherinnen
4.545
Mittagessen
3.223
Kostenlose Vesper
Lebensgeschichten aus dem Tagestreff Femmetastisch (1)
Sie ist 52, selbstbewusst – und, wie sie selbst sagt, „ein bisschen dreist“. Geboren in Oberschwaben, früh Mutter geworden. Sie hat gearbeitet, studiert, funktioniert.
Seit ihrer Kindheit lebt sie mit einer seelischen Erkrankung. Als junge Frau traf sie der Tod ihrer Mutter schwer und führte zu einem psychotischen Schub. Sie verlor den Halt, schlief auf Sofas, zog durchs Land – verborgen wohnungslos, ständig auf der Suche nach Sicherheit. Krankheit, Erschöpfung und eine fehlende Krankenversicherung brachten sie an ihre Grenzen.
Zahlen wurden zu ihrem Halt. In überfüllten U-Bahnen helfen ihr Zahlenreihen und Wurzeln. „1 + 1 ist immer zwei – das ist etwas, auf das ich mich verlassen kann“, sagt sie.
Heute lebt sie stabiler. Sie wohnt in einer kleinen Wohnung im ambulant betreuten Wohnen, hat regelmäßige Gespräche, Struktur und Menschen an ihrer Seite, die sie ernst nehmen. Ihr Sohn hat inzwischen eine eigene Familie, sie ist Großmutter.
In Stuttgart fühlte sie sich lange wie eine Nummer. Im Tagestreff Femmetastisch erlebt sie dagegen einen Ort, an dem sie gesehen, gehört und respektiert wird.
„Ich wünsche mir, dass Menschen ohne Vorurteile aufeinander zugehen“, sagt sie. „Stuttgart bietet viel, damit das Fass nicht überläuft. Aber was wir brauchen, sind Wohnungen. Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf. Wohnen ist ein Grundrecht.“
Lebensgeschichten aus dem Tagestreff Femmetastisch
Sie ist heute 72 Jahre alt.
Sie stammt aus Hessen und wächst mit zwei Geschwistern in einem Elternhaus auf, das von der cholerischen und narzisstischen Persönlichkeit des Vaters geprägt ist. Körperliche und seelische Gewalt gehören zum Alltag, Sicherheit kennt sie kaum. Für ein Kind bedeutet das ständige Angst und das Gefühl, „falsch“ zu sein.
Als Reaktion entwickelt sie früh Essstörungen. Essen wird zum Ausdruck ihrer Not und zugleich zum einzigen Bereich, in dem sie Kontrolle erlebt. Zur Behandlung wird sie an die Ostsee geschickt. Dort beginnt sie erstmals aufzuatmen, wieder zu essen und vorsichtig Vertrauen zu fassen. Mit 17 Jahren folgt ein Suizidversuch. Jahre der Demütigung, Einsamkeit und Wertlosigkeit entladen sich.
Der Weg in ein neues Leben
Nach diesem Einschnitt verlässt sie ihr Elternhaus und arbeitet in einem Berggasthof. Dort erlebt sie erstmals ein Umfeld ohne Angst. In dieser Zeit lernt sie ein Paar aus Stuttgart kennen, das ihr neue Möglichkeiten eröffnet. Mit 20 Jahren arbeitet sie in einem katholischen Hotel in Stuttgart. Sie übernimmt Verantwortung und baut sich eine eigene Existenz auf. Mit 27 Jahren heiratet sie und bekommt eine Tochter.
Doch die Hoffnung auf ein stabiles Familienleben zerbricht. Ihr Mann ist durch Kriegserlebnisse traumatisiert. Er entwickelt eine Sucht, leidet unter Ängsten und wird straffällig. Aus Liebe wird Gefahr.
Die lebensgefährliche Eskalation – und ein Rettungsanker
Eines Tages kommt es zu einem Übergriff, bei dem sie in Lebensgefahr gerät. Es geht um ihr Überleben und das ihrer Tochter. Ihr Mann wird in eine Klinik eingewiesen. Für sie und ihr Kind öffnet sich ein Rettungsweg: das Frauenhaus. Dort findet sie erstmals Schutz und wird ernst genommen. Sie spricht mit großer Dankbarkeit von der Unterstützung: Sozialarbeiterinnen, die zuhören, begleiten und mit ihr Perspektiven entwickeln. Sie erlebt ein Netz, das trägt.
Ein Jahr im Frauenhaus – und der Aufbau eines neuen Zuhauses
Ein Jahr leben sie im Frauenhaus. Diese Zeit wird zum Neuanfang. Mit Unterstützung gelingt der Schritt in eine eigene Wohnung. Die Hilfe endet nicht mit dem Mietvertrag. Sozialarbeiterinnen unterstützen beim Einzug, bei Behördengängen und Formularen. Jede Unterstützung stärkt das Gefühl: „Ich bin nicht allein.“
Auch ihre Tochter erhält Hilfe. Sie besucht einen therapeutischen Kindergarten und wird später im Kinderzentrum begleitet. So kann sie das Erlebte verarbeiten.
Tagestreff, Heusteigstraße
Seit etwa fünf Jahren besucht sie regelmäßig unseren Tagestreff „Femmetastisch“. Sie nimmt an einer kreativen Gruppe teil und schätzt den Austausch ausschließlich mit Frauen, die ähnliche Lebensgeschichten mitbringen. Der Treff gibt ihr Geborgenheit und GemeinschaftSie genießt das Yoga-Angebot und schätzt die Beratung durch die Sozialarbeiterinnen und den Kontakt zu den anderen Frauen.

Weitere Informationen
Mehr über unsere Wohnungsnotfallhilfe erfahren Sie auf der Homepage des Sozialdienst katholischer Frauen e.V. DRS.